Das schrecklichste Brandunglück jedoch traf den Markt am 11. August 1789 um 13.15 Uhr. Durch eine Unachtsamkeit in einem Haushalt griff das dortige entstandene Feuer innerhalb von zehn Minuten auf 73 Gebäude über. Den ganzen Tag, die ganze Nacht hindurch brannte der Markt. Von den Gräueln jenes Tages ist noch heute in dem Bericht des damaligen Pilstinger Magistrats an den Kurfürsten zu lesen:
„Der Klang der immer läutenden Glocken, das Geschrei der in zerrissenen Fetzen, ja nackt herumlaufenden Kindern, das Heulen der in äußerstes Elend versetzten Eltern, das Gebrüll der lebendig gebratenen Pferde, Hornvieh und Hunde, kurz, alles erweckte die schreckbarsten Auftritte. Ein Weib verbrannte zu Staub und Asche und der vorher schon kranke und mühselige Mann hatte heulend und weinend bei seiner Brandstätte die Asche seines verbrannten Weibes zusammengescharrt, um welche Kinder mit zerrauften Haaren unter Schreiben und Weinen heumgestanden sind. Einige Leute, welche in ihrer Gewinnsucht und Verwirrung noch etwas zu retten, ins Feuer zurückliefen, sind dergestalt verbrannt worden, dass sich niemand um ihre Rettung zu bemühen getraute, da man kaum noch die Rettung ihres Lebens hoffen kann. Jedermann hatte seine Getreider schon in die Städel untergebracht und zum unersetzlichen Verlust ist nicht nur alle Nahrung für Menschen, sondern auch für das Vieh ohne Unterschied ein Raub der Flammen geworden.“
Und an anderer Stelle heißt es: „Wir haben weder Pferde zum Ackern, weder Pflug, noch Samen zum Anbauen, keine Speise, keinen Tisch noch Stuhl. Mit einem Wort: Alles ist hin, unser Elend ohne Grenzen“. 250 Personen hatten ihr ganzes Hab und Gut verloren, also ihre ganzen Vorräte, ihr Dach über dem Kopf – und der Winter stand bevor. Durch Essensspenden aus der Umgegend konnte vorerst diese Not gelindert werden. Aber der geschätzte Brandschaden belief sich auf 155.192 Gulden, eine horrende Summe – an Geldspenden jedoch kamen jedoch nur rund 7.000 Gulden in den Markt. Abgebrochen werden durfte dafür die Ruine des Schlosses Leonsberg, mit deren Ziegelsteinen Pilsting wieder aufgebaut wurde unter Beachtung größerer Abstände zwischen den Häusern. Letztlich waren die Marktbewohner also mit Unterstützung der Nachbardörfer auf sich alleine gestellt.
Doch hatten sich auch mehrere Personen beim Brand vorbildlich verhalten und so die Pfarrkirche, den Pfarrhof und mehrere andere Häuser retten helfen. Vom Brand verschont blieb auch das Stangl’sche Brauereianwesen (Gasthof zur Post); von dessen Errettung berichtet heute noch eine Votivtafel in der Kirche von Haidlfing. Auch die Errichtung des Marktkreuzes vor dem Kirchenwirt geht auf den großen Brand von 1789 zurück.
Weiterführend „Streiflichter aus Geschichte und Gegenwart, Festschrift 600 Jahre Markt Pilsting, S. 105 ff.