Schriftliche Aufzeichnungen über kriegerische Handlungen in Pilsting gibt es aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Pilsting lag damals im Schnittpunkt der Interessen des Bayernherzoges, der 1224 die Stadt Landau gegründet hatte, während Pilsting dem Bischof von Regensburg gehörte. Im Zuge deren Fehden plünderten und brandschatzten bayerische Ministeralien aus Landau Pilsting. In einem Friedensvertrag von 1237 verpflichtete sich der Herzog, dem Bischof dafür eine Entschädigung zu zahlen; auch sollte die Straße in Pilsting nicht länger durch die Bayern behindert werden.
Die nächsten schriflichen Unterlagen über Kriegswirren stammen über den 1618 beginnenden Dreißigjährigen Krieg. 1728 berichtet Michael Wening, von dem auch die erste Ansicht von Pilsting überhaupt stammt, dass „auch in schwedischen Feindseiten von denen daselbst auf weiter Hayden im Lager gestandnen Soldaten die ganz vom Holz auferbaute Häuser abgehoben und selbige zum verbrennen ins Lager getragen worden.“ In einer topographischen Beschreibung des Marktes von 1830 wird erwähnt, dass „im Schwedenkriege der Markt Pilsting längere Zeit unbewohnt war, weil ein damaliger Pfarrer Simon Burger (oder Bayer) als Geißel ausgehoben wurde, den 22ten Juny 1633 in Exil gestorben ist. Mit diesem Pfarrer wurden einige Bewohner von denen Schweden teils als Geiseln fortgeschleppt, teils in ihren Wohnungen niedergemacht.“
Auf das Ende des Dreißigjährigen Krieges geht die 1648 errichzete Wieskapelle zurück.
Auch im 1740 beginnenden Österreichischen Erbfolgekrieg wurde unsere Gemeinde Kampfgebiet. 1742 hatten österreichische Truppen bei Landau Stellung bezogen. Daraufhin errichteten die bayerischen Truppen bei Ganacker ein durch Moräste geschütztes Lager für 5000 Mann. Immer wieder gab es zwischen diesen feindlichen Truppen Scharmützeln. Als nach Abzug bayerischer Truppenteile am 5. September 1742 auch die noch zurückgebliebene pfälzischen Abteilung abmarschierte, wurde sie von den österreichischen Truppen eingeholt. Auf dem Schlachtfeld blieben 200 Tote auf pfälzischer Seite zurück, gab es Gefangene. 1743 errichteten französische Truppen bei Pilsting ein Lager. Was oft nicht richtig bedacht wird: auch die Zivilbevölkerung litt an solchen Lagern, wollten doch die Soldaten versorgt werden oder wie bei den 200 toten Pfälzern diese bestattet werden. Abgesehen von der Gefahr des Beschusses zwischen den verfeindeten Truppen.
Auch der 1778 beginnende Bayerischen Erbfolgekrieg sowie der erste Koalitionskrieg Frankreichs gegen Österreich und Preußen fand in den Unterlagen des Pilstinger Marktarchivs seinen Niederschlag.
Turbulent wurde es für die Gemeindebürger in der Zeit zwischen 1800, dem Jahr, in dem die französische Armee Napoleons in Bayern einfiel und 1815, dem Ende des Krieges mit Napoleon. Unaufhörlich mussten sie Einquartierungen oftmals hunderter Soldaten hinnehmen, Freund und Feind, Bayern, Franzosen, Österreicher randalierten, plünderten, forderten Speis und Trank, dazu Futter für die Pferde, Hand- und Spanndienste oder Botengänge. Bürgerssöhne wurden zur Armee rekrutiert und kamen nie mehr zurück. Dass die Pilstinger noch mit dem Wiederaufbau ihres 1789 abgebrannten Marktes zu tragen hatte, scherte die Obrigkeit wenig, hatte sie die Bürger doch schon mit der finanziellen Unterstützung des Brandschadens nahezu vollkommen in Stich gelassen.
1806 wurde ein Verzeichnis der wehrpflichtigen Pilstinger Bürgerssöhne der Jahrgänge 1765 bis 1788 erstellt. 53 Mann wurden gemustert, allerdings waren nach Angaben des Marktes davon 47 unentbehrlich, untüchtig, abwesend, in der Lehre oder auf Wanderschaft. Lediglich sechs Unglückliche stufte man als tauglich ein, darunter den Brauknecht Joseph Wagner, der 1806 in die Kavallerie eintrat und später als Angehöriger des ersten Dragoner-Regiments für verschollen erkärt wurde. Auch Josef Reisinger, Bauer aus Ganacker, fand als Soldat der „Großen Armee“ im 1812 so kläglich gescheiterten Russlandfeldzug den Tod. Von den 30.000 beteiligten bayerischen Soldaten kamen nur mehr 3.000 zurück.
Dass sich die Folgen eines Krieges nicht nur auf die Soldaten, sondern vielmehr auch auf die Zivilbevölkerung erstrecken, zeigt sich an der Versorgung der Truppen und der daraus resultierenden Einschränkungen. Zum einen wurde Pilsting ebenso wie Plattling, Dingolfing und Wörth an der Chausee von Landshut nach Deggendorf Marschstation, die Unterkunft, Verpflegung und Proviant bereitzuhalten hatte sowie Pferde und Wägen zu stellen hatte. Von den ersten Einquartierungen 1797/98 bis 1815 lagerten insgesamt Zehntausende Soldaten mit ihren Pferden teils über etliche Nächte in Pilsting und Umgebung. Eine Gesamtübersicht gibt es nicht, doch liefern bereits einzelne Listen und Rechnungen gewaltige Zahlen.
Vom 6. bis 15. Oktober 1800 lagerten beispielsweise französische Truppen hier, 5173 Mann und 1543 Pferde, was für die Zehrung 640 Gulden verursachte. Von März bis Juli 1809 lagerten insgesamt 11852 Mann, überwiegend Bayern und Österreicher, teils eine Woche in Pilsting selbst sowie in den umliegenden Orten. Benötigt wurden 15.650 Essensrationen, für 5.665 Pferde kamen 8063 Rationen dazu. Ausschließlich über die von 1805/06 bis 1816/17 einquartierten bayerischen Soldaten wurde eiine Statistik für Pilsting und Umgebung erstellt, wonach 13.687 Mann Verpflegungskosten von 1.691 Gulden verursachten.
1800 hatte der französische General Moreau von Bayern eine Kriegskontribution von 3 Millionen Franken gefordert (entspricht heute Hunderte Millionen Euro). Daraufhin erhob der bayerische Staat zu deren Begleichung „entberliches“ Kirchensilber von den Pfarreien; im Marktarchiv hat sich eine Liste darüber erhalten. Mit dem Verlust des Kirchensilbers war es nicht abgetan, es musste von jedem Bürger noch ein Geldbetrag eingetrieben werden. Ganacker wurde von den französischen Truppen gar seines Wahrzeichens beraubt: die Eisenkette um die Kirche wurde für militärische Zwecke beschlagnahmt.
(Bild Napoleon, Gemälde von Swebach)
Das erschütternde Gemälde von Édouard Bernard Swebach 1838 zeigt den Rückzug napoleonischer Truppen vom gescheiteren Feldzug in Russland. Der verletzte Dragoner auf seinem toten Pferd, zurück gelassen von den anderen, weiß auch um sein Ende in der eisig winterlichen Kälte. Damals mit dabei: zwei bayerische Soldaten aus Pilsting und Ganacker.
Der Krieg mit Frankreich 1870/71 spielte sich zwar nicht auf dem Gebiet unserer Gemeinde ab, dennoch kamen laut den Kriegerdenkmälern in Großköllnbach 12 Soldaten nicht mehr in ihre Heimat zurück. Zur Erinnerung an die Pilstinger Gefallenen wurde von der Bürgerschaft 1886 auf dem Marktplatz das Kriegerdenkmal aufgestellt.
Zum 1. Weltkrieg von 1914/1918 finden sich bereits die Namen von 142 Gefallen auf den Kriegerdenkmälern in unserer Gemeinde. In Pilsting wurde zum Gedenken an diese Verstorbenen die verfallene Seitenkapelle bei der Pfarrkirche erneuert und als Kriegergedächtniskapelle am 31. Oktober 1920 geweiht. Wenn auch bei uns keine Kampfhandlungen stattfanden, spürte doch die Zivilbevölkerung die Folgen des Krieges auch an den Rationierungen alltäglicher Gebrauchsgüter.
Noch schlimmer erging es der Zivilbevölkerung im 2. Weltkrieg 1939/1945, Rationierungen, Bespitzelungen, Gefahr der Deportation, Gefallene aus unserer Gemeinde: 324. Die Kampfhandlungen gegen Ende des Krieges bezogen sich mehr oder weniger auf den Flugplatz Ganacker, bescherten aber den Ganacker Landwirten bei der Rückumwandlung in landwirtschaftliche Betriebsflächen nach dem Krieg mehrere Jahre Entsorgungs- und Planierungsarbeiten. Besonders tragisch: eine gefundene Flakgranate aus deutschen Beständen tötete 1958 vier Ganackerer Kinder beim Spielen.
Weiterführend Armeemuseum Ingolstadt, Link Startseite – Bayerisches Armeemuseum
„Streiflichter aus Geschichte und Gegenwart“, Festschrift 600 Jahre Markt Pilsting S. 114 ff., Heimatjahrbuch Nr. 4 S. 126, 5 S. 108 ff., 7 S. 108 ff., 8 S. 105 ff, 133 ff., 9 S. 127 ff., 9 S. 146 ff., 10 S. 147 ff., 12 S. 108 ff., 13 S. 145 f., 150 ff., 14 S. 129 ff., 15 S. 149 ff., 18 S. 133 ff., 148 ff., 21 S. 57 ff., 25 S. 150 ff., 26 S. 125, 31 S. 149 ff., 169 ff., 32 S. 152 ff.