Einwohner
Zur Gemeinde Harburg gehörte früher auch der Ortsteil Trieching, aktuell umfassen die beiden Orte aktuell (Stand: 01.01.2022) 743 Einwohner.
Davon wohnen 561 BürgerInnen in Ganacker und 182 BürgerInnen in Trieching.
Im Jahre 1987 waren es noch 432 BewohnerInnen in Ganacker womit ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen ist.
Erste urkundliche Erwähnung
In den Überlieferungen von Kloster Ebersberg erscheint zuerst um 1040 ein Routprecht de Gowinacheren. Der Ortsname bedeutet „Acker des Gawo“. Die jetzige Schreibweise findet sich erst ab 1819.
In den folgenden Jahrhunderten treten als Grundherren mehrere Klöster, vor allem das Kloster Rohr, aber auch einige adelige Herrschaften wie die Waller zu Wildthurn auf.
Am 21. Dezember 1964 genehmigte das Bayerische Staatsministerium des Innern auf Antrag der Gemeinde Ganacker die Führung eines Wappens im Dienstsiegel der Gemeinde.
Das Hoheitszeichen geht bis ins 12. Jahrhundert zurück auf die damaligen Grundherrn von Ganacker, das Augustiner-Chorherren-Stift Roh.
Mit der Auflösung der früheren Gemeinde Ganacker und der Eingliederung in die Großgemeinde Pilsting zum 1. Januar 1972 hat auch das Wappen von Ganacker aufgehört, als amtliches Dienstsiegel zu bestehen und hat heute nur noch historischen Erinnerungswert.

Historische Eckdaten
Bis zum 31. Dezember 1971 war Ganacker flächen- und einwohnermäßig eine eigenständige, große Gemeinde, welche sich im Norden von Trieching und Mögling über Gosselding ins damalige Ganackerer Moos bis zum Außenbereich von Landau a. d. Isar erstreckte. Der letzte Bürgermeister war Wolfgang Vilsmeier sen. (1898-1993), welcher auf Beschluss des Marktgemeinderates Pilsting für seine Verdienste am 17. Dezember 1986 durch Bürgermeister Heinz Aigner die Ehrenbürgerwürde des Marktes Pilsting verliehen bekam.
Die letzte Sitzung des Gemeinderats von Ganacker am 22.12.1971

Die Mitglieder im Gemeinderat waren von links nach rechts:
Michael Hafner (Trieching, Landwirt), Xaver Mayer (Ganacker, Landwirt), Johann Helmbrecht (Ganacker, Landwirt und Schmiedemeister), Josef Hiergeist (Gosselding, Landwirt), Georg Hindlmeier (Ganacker, Landwirt, 2. Bürgermeister), Wolfgang Vilsmeier (Ganacker, Landwirt, 1. Bürgermeister), Ludwig Köllnberger (Mögling, Landwirt), Sebastian Huber (Ganacker, Landwirt), Otto Gabriel (Trieching, Buchhalter), Adolf Fronhofer (Moosmühle, Kunstmühlenbesitzer), Andreas Kohlmayer (Landau/Moos, Angestellter). Beim Telefon sitzt links hinten Gemeindeschreiber Ludwig Bauer (Ganacker).
Ehrenbürger Franz Xaver Mayer
Mit Franz-Xaver Mayer hat Ganacker einen Mitbürger, der ehrenamtlich in vielen politischen und landwirtschaftlichen Gremien vertreten war; u. a. auch in den Präsidien des Bayerischen und des Deutschen Bauernverbandes.
Mayer war von 1966 bis zu seiner Auflösung aufgrund der Gebietsreform bereits im damaligen Gemeinderat von Ganacker vertreten.
Seit dieser Zeit gehörte er bis Dezember 1994 dem Pilstinger Marktgemeinderat an, wo er von 1978 bis 1984 auch das Amt des zweiten Bürgermeisters bekleidete.
Für sein langjähriges Engagement zum Wohle der Landwirtschaft wurde Franz-Xaver Mayer im November 1988 von Landwirtschaftsminister Simon Nüssel mit dem von Bundespräsident Richard von Weizsäcker verliehenen Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.
Höhepunkt in seiner politischen Laufbahn war sicherlich, als er von 1994 bis 2004 für die CSU Mitglied im Europäischen Parlament war.
Im Oktober 2013 wurde Franz-Xaver Mayer mit der Ehrenbürgerwürde der Marktgemeinde Pilsting ausgezeichnet.
Seit Mai 2020 stellt der Gemeindeteil Ganacker mit Martin Hiergeist, einem früheren Gosseldinger, im Markt Pilsting den ersten Bürgermeister.
Historisch bedeutsame Gebäude
Das KZ-Außenlager
Westlich von Wallersdorf existierte von Februar 1945 an bis zum Kriegsende in einem kleinen Wald, der sogenannten Erlau im Haidlfinger Moos ein von der SS bewachtes Konzentrationslager. Es war ein Außenkommando des KZ´s Flossenbürg. Das Gelände war mit einem Doppelzaun umgeben, der in der Nacht angestrahlt wurde. An zwei Ecken des Lagers standen Wachtürme. Unter den Bäumen waren Küche, Lagerverwaltung, Mannschaftsräume und eine Schneiderei untergebracht. Unbefugte wurden daran gehindert, in die Nähe des Lagers zu kommen.
Ebenso war es strengstens verboten, den Häftlingen etwas Essbares zukommen zu lassen. Am 20. Februar 1945 kamen 440 politische Gefangene und Inhaftierte aus 18 Nationen darunter 200 aus Polen und 27 aus Belgien in der Hauptsache jüdischer Herkunft im Lager an und waren dort unter unmenschlichen Bedingungen untergebracht.
Als die amerikanischen Truppen aus dem Norden Deutschlands bereits weit in bayerisches Gebiet eingedrungen waren, wurde das Lager am 23. April 1945 aufgegeben. Die Wachmannschaft begab sich daraufhin mit dem Rest der Häftlinge auf einen sogenannten Todesmarsch in Richtung Alpen bei dem noch viele der Inhaftierten wegen Erschöpfung bzw. Erschießung zu Tode kamen.
Volks- und Hauptschule
Ab 1. Januar 1972 wurde Ganacker aufgrund der damaligen Gebietsreform in die Marktgemeinde Pilsting eingegliedert. Aufgrund eines sogenannten Schulversuchs wurde die Schule ab dem Schuljahr 1966/67 dem Schulverband Pilsting angeschlossen und die Kinder mussten erstmals in anderen Orten der Marktgemeinde in die Volks- und Hauptschule gehen.
Durch diese Maßnahme besuchten auch Schüler/-innen von anderen Gemeindeteilen bis 1979 in Ganacker die zweite und dritte Klasse der Volksschule. Das letzte Ganackerer Schulhaus wurde 1949 erbaut und bereits 1985 zugunsten eines kleinen Baugebiets wieder abgerissen.

Kirchen
St. Leonhard – die Kettenkirche
Die Dorfkirche ist dem Hl. Leonhard geweiht.
Der Hl. Leonhard, ursprünglich Patron und Befreier der Gefangenen, wurde vom Bauernstand als Beschützer vor allem der Pferde und Rinder auch der „Bayerische Herrgott“ bezeichnet.
Im Jahre 1454 wurde das Benefizium St. Leonhard in Ganacker von Heinrich von Parsberg, Domherrn zu Regensburg und Pfarrer von Pilsting und Kaplan Erasmus Heyndl von Regensburg und Vikar von Pilsting gestiftet.
Der Bau stammt aus der Mitte oder der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Aufgrund der Tatsache, dass die Kirche ursprünglich drei Portale hatte, kann davon ausgegangen werden, dass hier ein Plan für eine bedeutende Wallfahrtskirche zugrunde lag.
Die einstmals neugotische Inneneinrichtung wurde bei einer grundlegenden Innenrenovierung unter Benefiziat Erhard Unterburger 1963 entfernt. Die jetzige Altargestaltung, stammt vom Künstler Joseph Michael Neustifter aus Eggenfelden.
Diese Einrichtung wurde am 10. Oktober 1982 durch den damaligen Regensburger Bischof Manfred Müller (1926-2015) eingeweiht.
Die letzte gründliche Restaurierung (außen und innen) wurde 2002/03 durchgeführt. Im November 2004 war Bischof Gerhard Ludwig Müller anlässlich des 550jährigen Jubiläums des Benefiziums zur Altarkonsekration in Ganacker.
Wie lange die Kette die Ganackerer Kirche umspannt, ist nicht mehr nachzuweisen. Ihr Alter beträgt gemäß dem ersten Nachweis über 430 Jahre.
Um ein Einschmelzen der Kette zu verhindern, wurde diese in den Wirren des Napoleonkrieges zur Sicherheit nach Landau gebracht. Nach dem Krieg wurde die Kette wieder zurückgegeben und 1828 wieder „aufgehoben“. Das letzte Mal wurde die Kette am 19. Juni 1999 von Mitgliedern des Benefiziums Ganacker nach einer Generalsanierung wieder aufgehängt.
In dem Ortsteil Trieching gibt es zudem noch die Kirche St. Petrus und Paulus
Legenden
Die Fuhrmannslegende
Ein Fuhrmann hatte sich in früherer Zeit, als das Moos zwischen Ganacker und Landau noch schwer passierbar und vermoort war, von Irrlichtern täuschen lassen und ist deshalb vom befestigten Weg abgekommen. Mit seinen Rössern und dem großen schweren Fuhrwerk sank er immer tiefer im Sumpf ein. Da half auch alles schimpfen und fluchen nicht; er kam nicht mehr heraus. Als er dann aus dem Dorf die Kirchenglocke hörte, erinnerte er sich an den Schutzpatron der Pferde und Fuhrleute, den Heiligen Leonhard. Er rief ihn in seiner Not an und gelobte im Falle seiner Rettung, eine eiserne Kette für die Kirche zu stiften bzw. selbst zu schmieden. Umgehend entkam er samt Ross und Wagen der Gefahr und erfüllte bald darauf sein Gelübde. Das Grab dieses Fuhrmanns mit einem schmiedeeisernen Gitter war lange Zeit auf dem Friedhof in Ganacker zu sehen. Bevor sich der brave Fuhrmann zu seiner letzten Fahrt aufmachte, so heißt es in der Sage, wünschte er sich noch auf seinem Sterbebett, dass er auf dem Friedhof in Ganacker in der Nähe der Kirche zum Heiligen Leonhard seine letzte Ruhestätte bekommt. Das eiserne Gitter, welches vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammt, hatte der gute Mann schon eine Zeit lang zuvor selber auf dem Ambos in der Schmiede von Ganacker geschmiedet. Als dann ein paar hundert Jahre später das Gitter aus Platzmangel weg musste, da hatte der Totengräber vier Hufeisen im „Fuhrmannsgrab“ gefunden. Was dieser Fund zu bedeuten hatte, das wird sicherlich für immer ungeklärt bleiben. Das Eisengitter kam später als Leihgabe ins Landauer Heimatmuseum. Im Mai 2003 kam das Fuhrmannsgrab wieder nach Ganacker zurück und steht seitdem in der Seelenkapelle. Ob der Fuhrmann hier tatsächlich seine letzte Ruhe gefunden hat, bleibt wohl für immer ein Geheimnis.
Besonderheiten
Flugplatz Ganacker
In den Jahren des Zweiten Weltkriegs war nördlich von Ganacker in Richtung Haidenkofen ein Fliegerhorst in der Hauptsache zur Ausbildung von Flugschülern zum Piloten in Betrieb.
Ursprünglich liefen die Planungen für einen Fliegernotlandeplatz.
Nach Jahren der Flugzeugführerschule wurde von November 1943 bis März 1944 das JG 101 mit Stab und Geschwader nach Ganacker verlagert. Begründung war die Notwenigkeit der Ausbildung von Jagdfliegern durch den aktuellen Kriegsverlauf. Bomberflieger wurden zu Jagdfliegern umgeschult.
Ab März 1945 wurde die Messerschmitt ME-262 stationiert und die Start- und Landebahn wurde betoniert. Ebenso erfolgten im März/April 1945 verstärkte Tieffliegerangriffe.
Am 30. April 1945 wurde der Fliegerhorst durch die Amerikaner eingenommen. Die vor dem Krieg zwangsentpachteten Felder wurden nach dem Krieg zum größten Teil wieder an die früheren Besitzer zurückgegeben.
Erst nach einer Flurbereinigung konnte diese Maßnahme im Juli 1967 abgeschlossen werden.
Die Umrisse der Start- und Landebahn und des gesamten Flughorstarsenales sind bis heute erkennbar.
Sender Ganacker
Auf dem Gebiet der Gemeinde Ganacker wurde mit Erlaubnis der amerikanischen Behörden vom Bayerischen Rundfunk im September 1951 ein Sender mit einer Höhe von 108 Metern und 11,5 Tonnen in Betrieb genommen, der zur Verbreitung eines Radioprogramms auf der Mittelwelle Frequenz 800 kHz, dienen sollte.Zum Betrieb dieses Senders wurde auch noch ein Gebäude mit den notwendigen technischen Anlagen erbaut.
Der Sender unter dem offiziellen Namen „Landau a. d. Isar“, damals ein Wahrzeichen für den Ort Ganacker, war nur bis April 1968 im Einsatz und wurde danach durch den neuen UKW-Sender auf dem Brotjacklriegel ersetzt.
Vereine
Die Ortsteile Ganacker und Trieching verfügt insgesamt über 13 Vereine:
- CSU-Ortsverband
- Freiwillige Feuerwehr Ganacker
- Jagdgenossenschaft Ganacker
- Kath. Frauenbund
- Kirchenverwaltung
- Krieger- und Soldatenkameradschaft
- Landjugend
- Obst- und Gartenbauverein
- Radfahrer-Verein Wanderlust
- SV Sportverein Ganacker 1973
- Tennis-Club e.V.
- Freiwillige Feuerwehr Trieching
- Eisstockclub Trieching