Am 15. Oktober 1875 wurde die Bahnlinie Mühldorf – Pilsting – Landau – Plattling eröffnet, deren Verlauf davor jahrelang von den Gemeinden und von ihnen gegründeten Eisenbahncomitées umkämpft war. Der Bahnhof Pilsting trug zwar den Namen des Marktes (ursprünglich war der Namen Goben vorgesehen), denn er wurde drei Kilometer davon entfernt auf dem Gebiet der Gemeinde Harburg gebaut. Ursache war vor allem die Interventionen der Vertreter der Stadt Landau bei der planenden Ostbahngesellschaft, die für eine Station weg vom Markt auf etwa gleicher Entfernung von Pilsting als auch nach Landau plädierten. Ursprünglich war die Bahnlinie von Landau über Straubing nach Cham geplant, doch 1872 wurden die Bauvorhaben für diese Strecke eingestellt, sondern die Strecke nach Plattling gebaut. Aber in den Planungen war auch eine Bahnlinie nach Straubing – Cham noch immer nicht vom Tisch, so dass Landau als eventueller Eisenbahnknotenpunkt einen größeren Bahnhof erhielt als die anderen Stationen links der Isar. Vermutlich mögen auch günstigere Konditionen für die Überlassung der Grundstücke zum Bau seitens der Stadt Landau das ihrige beigetragen haben.

Eine herausragende Bauleistung wurde mit dem Bau der Eisenbahnbrücke über die Isar von Benkhausen nach Goben erbracht, die 1874 fertiggestellt wurde.

Zu bedenken: mit der Vollendung des Bahnhofes Eisenstein 1878 war nicht nur die Gesamtstrecke Rosenheim – Mühldorf – Plattling – Eisenstein vollendet, sondern auch eine durchgehende Verbindung von Italien über Tirol und Bayern nach Böhmen geschaffen. Mit dem Einsteigen in den Zug im Bahnhof Pilsting stand damals also dem Reisenden sozusagen die Welt offen. Dies wurde noch erweitert durch die Eröffnung der Linie München – Landshut – Plattling am 15. Mai 1880.

Doch die Transportzahlen von Güter und Personen zwischen Pilsting und Neumarkt St.Veit erfüllten im Laufe der Jahrzehnte nicht die Erwartungen. Der Reisezugverkehr zwischen Frontenhausen-Marklkofen – Pilsting wurde zum 27. September 1969 eingestellt, der Güterzugbetrieb zum 13. Dezember 1969. Noch 1969 wurde mit dem Rückbau der Strecke begonnen, 1971 die Isarbrücke bei Goben gesprengt, die Metallträger abgebaut. Von den ehemals vier Gleisen plus ein Ladegleis ist heute nur mehr ein Gleis vorhanden.

Das hier im Haus stehende Modell zeigt zur Erinnerung detailgetreu die Isarbrücke bei Goben mit verkehrendem Zug.

Der Bahnhof Pilsting diente jedoch nicht nur dem Reisezugverkehr und Gütertransport, sondern war auch ermächtigt, als Telegraphenstation Staats- und Privatdepeschen anzunehmen und zu befördern. Die Bahnstation versorgte zudem den Postdienst. Das Bahnhofsgebäude selbst wurde am 15.November 1977 abgebrochen. Die Bahnsteigkante und eine geteerte Fläche lassen erahnen, wo das Haus einmal stand. Versteckt auch der Bahnkilometer 121, der anzeigte, dass es von hier aus 121 km zum Bahnhof nach Rosenheim war.

(Fotos Bahnhof Luftaufnahme und Bahnhof Gleisseite)

Weiterführend „Die Eisenbahn im Zentrum Niederbayerns“, 2 Bände, Heimatjahrbuch Nr. 13 S. 136 ff.